Inhaltsverzeichnis

Bibel und Koran


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Haut ab!

So der Titel eines Essays von Alfred Bodenheimer zur Beschneidungsdebatte im letzten Jahr. Der Basler Professor für Religionsgeschichte und Literatur des Judentums interpretiert klug, belesen und weitsichtig die (juristischen) Argumente der Beschneidungsgegner, und die nicht immer schlüssige und überzeugende jüdischen Antwortversuche. Der Doppeldeutige Titel spielt mit dem Abschneiden der Haut und dem Abhauen aus dem Land. Auch wenn sich Bodenheimer weitgehend auf die jüdischen Aspekte konzentriert, und nur ganz am Rande den Islam ins Blickfeld nimmt, lässt sich vieles mit Gewinn lesen punkto Frage auch von muslimsicher Präsenz in der Schweiz und Europa. Stichworte: • Religiöse Erziehung wird zunehmend als unzulässige Manipulation von Kindern kritisiert. Dabei kaprizieren sich die Debattenführer auf Äusserlichkeiten, Riten, Brauchtum – und blenden ideologisch-mainstreammässige Prägungen aus. Es wird massiv Druck ausgeübt, um jegliche Differenz(ierung)en zu nivellieren; dieser Druck ist oft grösser als der kritisierte „Druck“ von Eltern auf Kinder, wenn diese einzig die eigene ererbte Identifikation zu übermitteln suchen. Es findet gewissermassen ein Art Kolonialisierung statt: Religionsfreiheit ist keine Freiheit mehr zur Differenz, sondern nur in eine Richtung offen – in Richtung (unreflektierter) Mehrheitsmeinung. • Selbstverständnis religiöser Gruppierungen und Zuschreibung von aussen unterscheiden sich oft erheblich. Es findet keine wirkliche Debatte statt, sondern ein Enteignungsdiskurs. Die Mehrheit definiert, wie die Minderheit denkt und tickt. Da keine Gemeinde/Gesellschaft 100% einheitlich denkt, ist es unredlich, mit verschwindend kleinen Gegenmeinungen zu argumentieren (im Stil von: Es gibt auch Muslime, die für ein Minarett-Verbot sind; es gibt auch Juden, die ihre Söhne nicht beschneiden)… Mit seinem Essay will Bodenheimer anschreiben gegen die Bedenkenlosigkeit von Meinungsführern und gegen die Sprachlosigkeit der In-Kritik-Geratenen. Einiges davon ist übertragbar auf andere religiöse Minderheiten. Argumentiert wird ja meist mit „Menschenwürde“ – diese aber ist just am fragilsten, wo es um die Frage nach dem Respekt dem andern gegenüber geht, wo der andere eben anders ist, und anders bleiben will. Für das Diaspora-Judentum ein Modell auch „defensiver Religionsausübung“ mit Verzicht auf Durchsetzungsmacht. Hier wäre, das ist kein Thema mehr der Streitschrift, die reziproke Anfrage an muslimische Länder / Gesellschaften im Umgang mit dem Andern, der Minderheit(en). Thomas Markus Meier
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Rezension zum Lexikon des Dialogs – Grundbegriffe aus Christentum und Islam


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Sadakat Kadri - Himmel auf Erden


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Interview mit Abdulrahman über Boko Haram


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Dialogratgeber zur Förderung der Begegnung zwischen Christen und Muslimen in Deutschland


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Ikonografie des Heiligen Krieges

Claudio Lange: Der nackte Feind. Anti-Islam in der romanischen Kunst. Parthas Verlag 2004 Lübeck In Stein gemeisselte Muezzine rufen lautlos von Fassaden romanischer Kathedralen; Pisas Campanile zitiert das islamische Minarett und kommt allein der eingehängten Glocken wegen in Schieflage... Wir sehen nur, was wir auch wissen - diese Erfahrung macht oft, wer eine gute Museumsführung oder Kunstreise erfährt. Oder sich Claudio Langes Bildband "Der nackte Feind³ gönnt. Bislang schwer deutbare romanische Skulpturen erzählen plötzlich eine verdrängte Geschichte - und der lautlose Muezzin verrät sein tragisches Geheimnis. Beispiel: Im Kreuzgang des Grossmünsters in Zürich sehen wir, nicht etwa versteckt, sondern auf Augenhöhe, eine nackte Person - sowohl in Gebetshaltung, als auch sich gleichzeitig selbstbefriedigend! Die Wirbelsäule zeichnet sich durchs Fleisch ab, so dass der stachlige Rücken die Figur als von oben bis unten dem Stachel der Sünde erliegend denuziert. Weitere pikante Darstellungen wären zu beschreiben - der Bildband zeigt sie, eine Auswahl der Fotoaustellung "Islam in Kathedralen - Bilder des Antichristen in der romanischen Skulptur³ (Berlin Juni 03 - März 04). Und, weil wir nur sehen, was wir wissen, ebenso wichtig die deutenden Texte des freischaffenden Künstlers und Religionswissenschaftlers Claudio Lange, ergänzt um Artikel (Almut Sh. Bruckstein, Gil Anidjar, Claudio Lange), die Kirchen- und Kunstgeschichte, christliche und politische Theologie neu befragen. Zu hoffen, dass diese Sehschule nicht nur die Augen öffnet für verdrängte Polemik, sondern auch hinschauen lernt auf aktuelle Problematik. Zu wünschen: ein Europa, das sich von lebendigen muslimischen Gemeinschaften bereichern lässt, statt sein jüdisch-arabisches Erbe zu verleugnen. Thomas Markus Meier


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Islam - Identität und Wege zum Gespräch

Muhammad Salim Abdullah Islam für das Gespräch mit Christen Gütersloh 2002 überarbeitete Auflage, Patmosverlag Der Untertitel dieser leicht verständlichen Einführung in den Islam steht nicht nur für das Anliegen des Autors, sondern erschliesst eine Dimension des Islams, die heute leider von manchen kaum mehr gesehen wird: Dass der Islam sich klar für das Gespräch mit den abrahamitischen Bruderreligionen ausspricht. Der Autor schöpft aus Koran, Tradition und islamischer Mystik,um Christen und Muslime gleichermassen auf einen Weg des Dialogs zu führen. Seine Art der Darlegung mag dabei als Beispiel gelten, wie heute verantwortet über sich und andere gesprochen werden kann. Wer den Islam bereits durch die zahlreichen Einführungen auch in deutscher Sprache kennt, wird sich vor allem den letzten zwei Dritteln des Buches widmen (Kapitel 4 - 11), wo Leben, Fühlen und Brauchtum eines Muslimen spürbar wird. Überhaupt unterscheidet sich Abdullahs Arbeit angenehm von solchen christlicher Islamwissenschafter, dass wir hier ständig einem überzeugten, praktizierenden Muslimen begegnen, ohne dass er unsere vielen Vorurteile gegen diese Religion bestätigen würde - im Gegenteil! Schade bleibt, dass Abdullah zwar fraglose Ungerechtigkeiten (vor allem in der Frauenfrage) nicht verschweigt, aber in manchen Fällen wohl selber nicht sieht. Das mag auch daran liegen, dass die Originalausgabe vor nunmehr neun Jahren erschien... Zu wünschen bleibt nicht nur, dass viele ChristInnen ihr Islamdefizit durch derartige Veröffentlichungen überwinden, sondern dass vor allem auch Muslime vom Format eines Abdallahs (und seiner Kronzeugen - durch die gesamte islamische Gesitesgeschichte,) nicht von den Wellen des Fundamentalismus (auch des christlichen!) hinweggespült werden. Thomas Markus Meier


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Dickes Buch, Gedankenwälzer

Andreas Bsteh (Hrsg.) Der Islam als Anfrage an christliche Theologie und Philosophie St. Gabriel, Mödling 1994, DM 42.80 Der über 500 Seiten starke Band eröffnet die Reihe ³Studien zur Religionstheologie², die christliche Theologie in der Fragestellung der anderen Religionen entwickeln will. Mit dem Nachfolgeband ³Christlicher Glaube in der Begegnung mit dem Islam² wird der Begegnung mit dem Islam ein zweiteiliges Werk gewidmet. Die Anlage der Reihe ist speziell: Neben den zehn Referaten hochrangiger Autoritäten der Islamwissenschaft und der christlich-islamischen Begegnung wird der intensive Gedankenaustausch in Arbeitskreisen und in den Plenumsdiskussionen der Religionstheologischen Akademien der Hochschule St. Gabriel veröffentlicht. Dadurch können die Leser an der Entwicklung von Gedanken teilnehmen , vertiefen sich in neu aufgetauchte Fragestellungen und erweitern ihr Verständnis. Fragen bleiben zum Weiterdenken offen; sie werden zu Impulsen für weitere wissenschaftliche oder auch spirituelle Auseinandersetzungen. Die ³Gesprächsprotokolle² sind sorgfältig redigiert und lesen sich flüssig und spannend. Herauszuheben sind insbesondere die Gesprächsbeiträge von Annemarie Schimmel, die von der Mystik her tief religiöse Gehalte zum Aufleuchten bringt - aber auch die Ausführungen von Adel Th.Khoury, der aus seinen profunden Kenntnissen, auch zur aktuellen Lage, schöpfen kann. Interessant auch, wie Rotraud Wielandt die europäische Fragetrias von Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung in einen Dialog bringt mit der Weltverantwortung des Menschen aus islamischer Sicht. Das Buch bringt für alle am Islam Interessierten eine Fülle von Informationen und Anregungen; die Probleme werden beim Namen genannt und differenziert ausgeleuchtet, ohne vorschnell zu harmonisieren. Ein ausführliches Namen- und Quellenregister erhöht die Brauchbarkeit des Bandes, ebenso das ansprechende Druckbild mit Randverweisen. Vielleicht wäre ein symmetrischer Satz, wo die Marginalien jeweils auf den Aussensteg zu liegen kämen, noch praktischer. (Corrigenda: Für die Sorgfalt spricht auch ein einziger Druckfehler S. 411, wo es Paradiesesvorstellungen heissen muss.) Thomas Markus Meier


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Bireligiöse Ehen

Christlich-muslimische Ehen und Familien Hrsg. von Thomas Dreessen, Irene Franke-Atli, Heinz Klautke u.a. (Interkulturelle Beiträge Nr. 18) Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main, 1998 DM 14.80 / OES 108.- / SFR 14.- ³Für jede Mauer, die der Prophet gesetzt hat, gibt es eine Tür. Und die Tür ist die Liebe.² (S.25). Dieser Satz aus einem der eröffnenden Gesprächsprotokolle des 96 seitigen Ratgebers könnte gut als Motto für diese praktische Handreichung gelten. Sie bietet zuerst mit fünf Erfahrungsberichten eine persönlich gefärbte Tour d¹Horizon zu Chancen und Problemen einer bi-kulturellen (und bi-religiösen) Partnerschaft. Im Hauptteil dann wird knapp und präzise informiert: über Rechtsfragen, Konfliktfelder, Beratungsmöglichkeiten (diese leider stark ausgerichtet auf die Evangelische Kirche Deutschlands) und weiterführende Literatur. Mitabgedruckt ist ebenfalls das Muster eines islamischen Ehevertrags. Empfohlen sei diese praktische Broschüre vor allem jenen, die selber eine religionsverschiedene Ehe eingehen wollen; gemäss dem orientalischen Wahlspruch: ³Vertau¹ auf Gott - und binde dein Kamel fest!² (S.72)... Thomas Markus Meier


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ChristInnen in Palästina

Ulrike Bechmann, Mitri Raheb (Hrsg.) Verwurzelt im Heiligen Land Einführung in das palästinensische Christentum Verlag Josef Knecht, Frankfurt am Main 1995, DM 20.- Der Weltgebetstag 1994, verfasst von palästinensischen Christinnen, wurde sehr kontrovers beurteilt; machte aber vorallem ein Defizit deutlich: Palästinensisches Christentum nämlich ist vormals oft als ein durch Missionare importiertes verstanden worden, jetzt aber tritt die altehrwürdige Tradition der ChristInnen aus dem Lande Jesu neu ins Bewusstsein. Eine wertvolle Einführung in dies weithin unbekannte Christentum liegt nun mit dem 240 Seiten starken Paperback vor. Historische Hinführungen, theologische Grundsatzüberlegungen sowie konkrete Themen und Beispiele um die Frauenfrage oder das Bildungs- und Sozialwesen in Palästina ergeben einen guten Einblick in das palästinensische Christentum. Hierbei ist den arabischen ChristInnen wirklich zu wünschen, dass ihre ³entscheidende Rolle beim Aufbau eines trilinearen Dialogs² (120) dem Friedensprozess diene und auch uns fruchtbare Impulse vermittle. Bewusst unausgesprochen bleibt zum Teil die politische Brisanz,sie wird höchstens leise angetönt oder wirkt wie um den heissen Brei geredet. Andererseits erscheint mir dennoch manches ideologisch gefärbt. So ist es beispielsweise kaum klärend, den Apostel Jakobus etwa als ersten palästinensischen Bischof zu bezeichenen (139). Empfehlen darf ich dieses ökumenische Handbuch als Reisevorberietung oder auch als Nachdenkimpuls (für letzteres vor allem das Kapitel von Ottmar Fuchs!). Thomas Markus Meier


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Sultan Mehmet II. Eroberer Konstantinopels - Patron der Künste von Neslihan

Asutay-EffenbergerUlrich Rehm CHF 49.50 Manche hierzulande stören sich an Moscheennamen wie FATIH-Moschee, und sehen hinter dem Fatih, dem Eroberer, eine Art weiterer Eroberungs-Anspruch. Von einer byzantinistischen Tagung blieb der etwas überteuerte Band zu Mehmet II. Spannend, wie unterschiedlich der Eroberer von Konstantinopel in der byzantisnischen Geschichtsschreibung höchst unterschiedlcih wegkam; wie vor der Eroberung bereits Moscheen in der Stadt am goldenen Horn existierten, und nach der Eroberung Kirchen nicht gänzlich verschwanden. Mehmet II wird gezeigt auch als Patron der Künste, und die Osmanische Renaissance verglichen mit der gleichzeitigen italienischen Renaissance. Wie die Ausrichtung der Türkei auf Europa kein neues Phänomen ist, sondern immer schon dem osmanisch-türkischen Selbstverständnis entsprach, gibt für heutige Debatten etwas mehr Tiefenschärfe. Nicht alle Artikel sind gleich bedeutungsschwer, lesenswert und gut bebildert allemal die Architekturgeschichte von der Hagia Sophia zu den grossen osmanischen Kuppelmoscheen. Thomas Markus Meier


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Streite mit Ihnen auf die beste Art - Praktische Anleitung zum christlich-muslimischen Dialog

Werner Schatz Zell am Main / Würzburg 2010 Unser treues und bekanntes Mitglied der Gemeinschaft von Christen und Muslimen in der Schweiz, der ehemalige Islam-Beauftragte der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, Pfarrer Dr. theol. Werner Schatz, legt ein Buch vor, das in die Hände aller am interreligiösen Dialog interessierten Christen und Muslime zu wünschen ist. Bei andern mag das Buch das Interesse sogar erst zu wecken: Das Interesse nicht nur an der andern, sondern auch an der eigenen Religion. Denn der Untertitel "Praktische Anleitung" meint weniger ein Rezeptbuch, wie kommen wir ins Gespräch - sondern vielmehr ein Leitfaden, der wirklich praktisch ist: kompakt, differenziert, handlich. Worüber liesse sich trefflich und gut streiten? Auf gut 330 Seiten bietet der Autor eine Fülle dichter Zusammenfassungen von Lehre und Praxis der Religionen, die auf Bibel oder Koran fussen. Dabei wird klar, wie vielfältig und unterschiedlich Christentum und Islam schon je in sich selber sind. Ausserdem scheut sich der Autor keineswegs, auch Schwierigkeiten zu benennen, Negatives nüchtern aufzulisten. Es geht ihm jedoch nicht um gegenseitiges Aufrechnen, sondern schlicht darum, dass wir bei Religionen oft auch mit negativen Seiten zu rechnen haben. Gerade bei besonders strittigen Themen wird spürbar, dass das titelgebende Koranzitat durch den Autor nach Kräften selber eingelöst wird: Auf beste Art streitet er gegen Halbwahrheiten, Klischees, Pauschalisierungen, hüben und drüben, und skizziert oft auch Wege, entlang derer weiter diskutiert werden könnte, oder zitiert eine Fülle von Detailinformationen, die wohl manche praktizierende Christen und Christinnen oder Muslime und Musliminnen in dieser Komplexität und Differenziertheit bislang gar nicht wahrgenommen haben. Zu Recht macht Werner Schatz immer wieder darauf aufmerksam, wie diffizile Nuancen der Theologie von Gläubigen selten verstanden werden - und dass so auch ein innerchristlicher Dialog nötig wäre, etwa wie Chalzedon heute zu verstehen und interpretieren wäre. Lesens- und bemerkenswert vor allem die Gross-Kapitel über strittige Themen oder missverständliche Bibel- und Koranstellen, auf knappem Raum ein Kompendium exegetischer Fragestellungen. Und auch für Theologinnen und Theologen spannend die Themenfelder Christologie und Trinitätslehre. Da gibt es viel aufzufrischen oder nachzulernen. Geschrieben, aber erklärend und verständlich, dass auch Nicht-Fachleute dem Gedankengang und der Fragestellung folgen können. Mit Hilfe des Inhaltsverzeichnisses kann das Buch durchaus auch als Nachschlagwerk konsultiert werden; bei fortlaufender Lektüre ergeben sich deshalb zwar kleine Verdoppelungen, Wiederholungen, die aber kaum stören. Hilfreich und wünschenswert wäre allerdings ein Stichwort-Register gewesen, das den lexikalischen Nutzen erweitern würde. Thomas Markus Meier


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Leitfaden für den interreligiösen Dialog

Zur Überwindung von Peinlichkeiten, Missverständnissen, Stolpersteinen und Fettnäpfchen im Gespräch über die Verschiedenheit im Religiösen gibt es den Leitfaden für den interreligiösen Dialog. Die Gruppe der Frauen des interreligiösen Think Tanks haben aufgrund von eigenen Erfahrungen und ihren profunden Kenntnissen unterschiedlicher Religionen eine hervorragende Hilfestellung erarbeitet. Entstanden ist ein wertvoller, bodenständiger Beitrag zum gegenseitigen interreligiösen Verständnis.

Der Interreligiöse Think-Tank (mehr Informationen unter: www.interrelthinktank.ch) ist ein institutionell unabhängiger Zusammenschluss von Exponentinnen des interreligiösen Dialogs in der Schweiz, die gemeinsam ihre Dialogpraxis reflektieren, gesellschaftliche und religionspolitische Fragen diskutieren und ihre Erkenntnisse und ihr interreligiöses Know-how der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Der ausschliesslich weibliche Think-Tank

Ja! Sie haben es richtig gelesen: Exponentinnen. Das bedeutet, es handelt sich um eine ausschliesslich weibliche Gruppe, was schon unsere Aufmerksamkeit reizen kann. Es ist noch interessanter, festzustellen, dass eine solche Gruppe sich mit religiösen Themen beschäftigt, einem Bereich, der noch heute entscheidend von Männern beeinflusst wird. Keine einfache Aufgabe: Zwischen der blossen Anprangerung der Ungleichheit der Frauen und der Rechtfertigung dieser Ungleichheit aus mehrere Kulturen gleichmachenden Gründen findet der Think-Tank einen Gratpfad, der nicht immer einfach ist. Motto: Religion ist nicht mit Fundamentalismus, Frauendiskriminierung und Unaufgeklärtheit gleichzusetzen! In seinem Werk "Leitfaden für den interreligiösen Dialog" bietet der Think-Tank einen Beitrag zum interreligiösen Dialog mit Beispielen und einer Checkliste für die Planung interreligiöser Anlässe an. Diese Beispiele sind erlebte misslungene Situationen, die man nicht wiederholen soll. Aus Fehlern kann man am besten lernen, nicht? Der Think-Tank setzt eine ganz konkrete Wirklichkeit voraus: "Religionen sprechen nicht. Es sind Menschen, die sich im interreligiösen Dialog begegnen, nicht religiöse Systeme. Diese Menschen leben in bestimmten sozio-politischen Kontexten, sind von verschiedenen Faktoren wie Kultur, Religion, ökonomische Verhältnisse, Schicht- und Geschlechtszugehörigkeit, Mehrheits- oder Minderheitenposition geprägt und haben ihre eigene Biografie. Religion ist also nicht das einzige Identität stiftende Merkmal einer Person." Ohne sich die Frage zu stellen, ob es vielleicht eben ein weibliches Merkmal ist, die Person als "Ganze" zu betrachten, tut der Think-Tank so. Das ist ein Zeichen eines umfassenden Denkens, was auch in einer Gesellschaft, die versucht, das Leben zu unterteilen, gut tut.

Gleichberechtigte Dialoge

Die Frage der asymmetrischen Beziehung taucht auch auf: Es gibt ein Machtgefälle zwischen ChristInnen als Teil der Mehrheitsgesellschaft und andersgläubigen DialogpartnerInnen. Diese strukturelle Asymetrie ist auch im interreligiösen Bereich zu beachten. Aber wie konkret? Indem alle sich bemühen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die möglichst gleichberechtigte Dialoge ermöglichen (zum Beispiel ein ausgeglichenes Zahlenverhältnis unter den Teilnehmenden). Diese Tatsache hat auch einen Einfluss über die andersgläubigen PartnerInnen in der Darstellung ihrer religiösen Tradition. Als Minderheiten, die immer mit Vorurteilen und Misstrauen ihrer Religion gegenüber konfrontiert sind, probieren die andersgläubigen PartnerInnen ihre Religion möglichst positiv darzustellen.

Interreligiöser Dialog zu Alltagsfragen

Die Machtfrage hat auch einen wichtigen Platz in den Äusserungen des Think-Tanks. Er nimmt die Tatsache wahr, dass in vielen abrahamitischen Religionsgemeinschaften vor allem Männer die Leitungsfunktion innehaben. Das bedeutet: Wenn Frauen verschiedener Religionen in Dialog kommen, reden sie nicht als RepräsentantInnen ihrer Religion aber als "einfache" Mitglieder. Sie organisieren interreligiösen Dialog zu praktischen Fragen des Alltags: Essensbräuche, religiöse Erziehung der Kinder, um Bräuche und Rituale um die Geburt, Kindheit und Pubertät, persönliche Bedeutung des Fastens, das Zusammenleben im Quartier, usw. Themen, die zur sogenannten Fürsoglichkeitsethik gehören. Wir sind hier sehr fern von Machtfunktion innerhalb der Religionsgemeinschaft. Daraus erklärt der Think-Tank die grosse Freiheit, die die Frauen haben, ihre eigene Meinung zu äussern. Die Kehrseite davon ist, dass Frauen nicht verbindlich für ihre Gemeinschaften sprechen können und nicht in der Lage sind, die Resultate ihrer Erkenntnisse in ihre Religionsgemeinschaften zurückfliessen zu lassen und umzusetzen.

Pfingstfeier oder Feier an Pfingsten?

Dieser Leitfaden ist eine sehr gute und praktische Einführung für den, der die bewährte Praxis des interreligiösen Dialogs kennen lernen will. Er gibt auch brauchbare Hinweise über die Hindernisse dieser sehr schwierigen und feinfühligen Kunst. Ich kann mich nicht wehren, als Schlusswort ein Beispiel zu zitieren: "Seit vielen Jahren gibt es in Winterthur den Anlass "Afropfingsten", mit einer interreligiösen Schlussfeier. Im Internet wurde diese Feier als "Interreligiöse Pfingstfeier" angekündigt. Die Verantwortlichen wunderten sich darüber, wie schwierig es war, VertreterInnen der anderen Religionen als Mitwirkende zu gewinnen. Schlussendlich wurde dann aufgrund einer Intervention der Anlass als eine "Interreligiöse Feier an Pfingsten" ausgeschrieben. Das Beispiel zeigt: Angehörige der Mehrheitsgesellschaft verwenden oft unbesehen christliche Konzepte und Begriffe und gehen davon aus, dass diese für alle gelten. Dies ist einerseits verständlich, denn die Mehrheitsgesellschaft und deren christliche Wurzeln haben immer noch eine prägende Wirkung und die Bezeichnungen für die christlichen Feiertage werden auch losgelöst von ihrem religiösen Gehalt im säkularen Bereich verwendet. Andererseits gilt es gerade im interreligiösen Dialog zu lernen, die Definitionsmacht über die Anderen abzulegen und die Selbstinterpretation ihrer religiösen Tradition zu achten." Nassouh Toutoungi, Vorstand GCM, christkatholischer Pfarrer in Biel/Bienne

Kontakt

Gemeinschaft von Christen und Muslimen in der Schweiz
Postfach 2232
3001 Bern

E-Mail: info@g-cm.ch
PC-Konto: 30-35619-1

Webseite: Cyril Wendl


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